Die protestantische Ethik und der Geist des Nationalismus

Dieser Beitrag diskutiert quantitative Forschung zu Webers Protestantischer Ethik (PE) und interpretiert diese Schrift in ihrem zeitgenössischen Kontext im Deutschen Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg. Dabei wird deutlich, dass die PE nicht ohne Bezug auf die Kategorie „Nation“ verstanden werden k...

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Bibliographic Details
Authors: Kersting, Felix (Author) ; Wolf, Nikolaus 1973- (Author)
Format: Electronic Article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
Interlibrary Loan:Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany)
Published: 2025
In: Handbuch Wirtschaft und Religion
Year: 2025, Pages: 589-612
Online Access: Volltext (kostenfrei)
Rights Information:CC BY 4.0
Description
Summary:Dieser Beitrag diskutiert quantitative Forschung zu Webers Protestantischer Ethik (PE) und interpretiert diese Schrift in ihrem zeitgenössischen Kontext im Deutschen Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg. Dabei wird deutlich, dass die PE nicht ohne Bezug auf die Kategorie „Nation“ verstanden werden kann. Das Zusammenspiel zwischen PE und Nation ergibt sich aus dem Kontext von Webers politischen Überzeugungen. Dieser Zusammenhang ist sowohl im Hinblick auf die Interpretation der PE relevant als auch für Versuche, empirische Evidenz für deren zentrale Thesen zu finden. Dabei zeigen wir, dass die PE auch als politische Intervention der Zeit um 1900 gelesen werden kann: Für Weber drohen die preußischen Eliten im Kampf gegen die Polonisierung im Osten zu versagen, die kulturelle Kraft der PE soll dem Verfall Einhalt gebieten. Die Zusammenfassung der quantitativen Forschung unterstreicht die politische Interpretation. Für wirtschaftliche Unterschiede in Preußen um 1900 sind ethnische Konflikte zwischen Deutschen und Polen und die Diskriminierung gegen die polnische Minderheit entscheidend. Die Unterschiede zwischen protestantischen und katholischen Landkreisen in Preußen waren hingegen verschwindend gering. Insgesamt zeigt sich, dass Webers Nationalismus nicht bloß eine Fußnote in seiner Biographie ist, die aus heutiger Perspektive kritisiert werden kann, sondern vielmehr grundlegend für das Verständnis der Protestantischen Ethik und moderner empirischer Analysen dazu.
Item Description:Literaturverzeichnis: Seite 611-612
Physical Description:Diagramme
ISBN:9783110982374
Access:Open Access
Contains:Enthalten in: Handbuch Wirtschaft und Religion
Persistent identifiers:DOI: 10.1515/9783110982152-022