Heilige Drei Könige

Nach Mt 2,1–12 kamen μα´γοι/mágoi aus dem Osten zur Krippe, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Mit ihnen sind wohl Angehörige der medisch-pers. Priesterkaste gemeint, die sich nach dem Glauben der Antike durch bes. astronomisch-astrologische und wahrsagerische Fähigkeiten auszeichneten...

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Bibliographic Details
Main Author: Unterburger, Klaus 1971- (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:Nach Mt 2,1–12 kamen μα´γοι/mágoi aus dem Osten zur Krippe, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Mit ihnen sind wohl Angehörige der medisch-pers. Priesterkaste gemeint, die sich nach dem Glauben der Antike durch bes. astronomisch-astrologische und wahrsagerische Fähigkeiten auszeichneten. Die gattungsmäßig einem Midrash verwandte Erzählung nimmt Elemente der Bileamstradition (Num 24; Bileam) auf. Noch vor Israel gelangen Heiden zum Glauben an Jesus als den Messias. Aufgrund der drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe schließt Origenes (Hom.Gen 14,3) bereits auf die Dreizahl der μα´γοι zurück, welche sich im 5.Jh. allg. durchsetzt (im Westen zuerst Leo I. ep.33). Bei Tertullian (Marc. III, 13,6; Adversus Iudaios 9,12) werden in Ps 72,10 und in Jes 60,3 atl. Anspielungen gesehen; die μα´γοι werden zu Königen umgedeutet – eine Tradition, die v.a. durch Caesarius von Arles (Homiliae 134) dem MA überliefert wird. Seit dem 4.Jh. existieren als Katakombenmalerei und in der Sarkophagplastik ikonographische Darstellungen; die Magier werden meist in orientalischer Tracht dargestellt. Spätere Traditionen kennen ihren weiteren Lebensweg und berichten von ihrer Taufe. Seit dem 9.Jh. werden – wohl auf den excerpta latina barbari (um 700) beruhend – ihre Namen Kaspar, Melchior und Balthasar überliefert; sie repräsentieren in der Folge die drei Lebensalter und Erdteile. Seit dem Zeitalter der Kreuzzüge gilt einer (Balthasar, später Kaspar) als »Mohr«. Nach der auf das Ende des 12.Jh. zu datierenden Vita Eustorgii Confessoris seien die von F.I.Helena entdeckten Reliquien auf Bitten des dortigen Bf. Eustorgius nach Mailand gelangt. Als Friedrich I. Barbarossa 1158 die Acht gegen die Stadt vollstreckte, kamen die Gebeine wenig später auf Bitten Rainald von Dassels nach Köln. Entlang der Translationswege entstanden zahlreiche Patrozinien. 1174 wurden sie in St. Peter feierlich beigesetzt und erlangten die Funktion von Reichsreliquien, die die gottunmittelbare Würde des Kaisertums unterstreichen sollten. Der um 1200 geschaffene Dreikönigsschrein ist das größte Reliquiar des MA; die Häupter wurden gekrönt und abgetrennt auf dem Häupterbrett verehrt. Ein eigenes liturgisches Fest an Epiphanias (6.1.; Epiphanie: V.) gibt es offiziell nur im Erzbistum Köln, von wo aus aber die weitverbreitete volkstümliche Bez. des Tages als »Dreikönigstag« herrührt. Zahlreiches Brauchtum (so die Dreikönigswasser- und Hausweihe) verknüpft sich mit diesem. Viele ma. Gasthausnamen rühren von den H.D.K. her. Aus den ma. Dreikönigsspielen der Schüler in Bischofsstädten entwickelt sich das »Sternsingen«, das sich v.a. im Alpenraum durchgehalten hat und heute mit modifizierter Sinngebung neu belebt wird.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_SIM_09468