Das Kreuz und die Freude. Eine pastoralpsychologische Untersuchung zur Depressivität bei Seelsorgenden.
Depressionen sind nicht nur ein Thema für die Seelsorge. Auch Seelsorgende selbst können unter Depressionen leiden. Aber was ist eigentlich unter dem Phänomen Depression zu verstehen und wie zeigt es sich bei Seelsorgenden? Wie depressiv sind christliche Seelsorgende – weltweit und speziell in Deuts...
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Опубликовано: |
Fulda
Theologische Fakultät Fulda
2022
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В: | Год: 2022 |
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Итог: | Depressionen sind nicht nur ein Thema für die Seelsorge. Auch Seelsorgende selbst können unter Depressionen leiden. Aber was ist eigentlich unter dem Phänomen Depression zu verstehen und wie zeigt es sich bei Seelsorgenden? Wie depressiv sind christliche Seelsorgende – weltweit und speziell in Deutschland? Sind sie mehr oder weniger depressiv als andere Menschen? Welche Vulnerabilitäten und Gesundheitsressourcen lassen sich bei Seelsorgenden ausmachen? Und welche Implikationen ergeben sich daraus für die Theologie? Die vorliegende empirische Untersuchung stellt die erste umfassende internationale und überkonfessionelle pastoralpsychologische Studie zu diesem Fragenkomplex dar. Ausgangspunkt der Untersuchung (Einleitung) bilden eine Vielzahl von Zeugnissen von Priestern und Pfarrern, die Depressionen erlebt haben. Diese Zeugnisse legen den Verdacht nahe, dass Depressionen ein noch zu wenig beachtetes Phänomen unter Seelsorgenden sind. Im I. Teil dieser Untersuchung werden die notwendigen Grundlagen gelegt, indem für das Thema essentielle Begriffe geklärt werden: Was sind Anliegen und Methode der Pastoralpsychologie? Was wird klinisch-psychologisch unter Depression verstanden? Wie unterscheiden sich Depression und Burn-out beziehungsweise Depression und Geistliche Krisen? Depression wird in dieser Studie nach dem Diathese-Stress-Modell als bio-psycho-soziales Krankheitsphänomen verstanden, das ein vielgestaltiges, multidimensionales Spektrum von leichten Verstimmungen bis hin zu schwerwiegenden behandlungsbedürftigen Erkrankungen bildet. Grundlegend sind Depressionen durch „einen schwer beschreibbaren, quälenden Verlust an Lebensfreude, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden“ (Payk, 2010, S. 9) gekennzeichnet. Die detaillierten Kriterien für Symptomatik und Diagnose werden ICD-10 beziehungsweise DSM-V entnommen. Ein kurzer Überblick über die internationale und regionale (Deutschland, USA) Epidemiologie wird geboten; biologische, psychologische und soziale Erklärungsmodelle für Depressionen werden kurz dargestellt und es wird ein Ausblick auf die aktuelle Praxis der Therapie gegeben. Ausführlicher wird die problematische Differenzierung von Depression und Burn-out behandelt. Der Autor dieser Studie plädiert aufgrund von Erkenntnissen aus der empirischen Forschung und aufgrund theoretisch-diagnostischer Überlegungen dafür Burnout als eine Art von Depressivität und nicht als eigenständiges Krankheitsbild zu behandeln. Als Form depressiven Erlebens wird Burnout bei Seelsorgenden in dieser Studie berücksichtigt. Nicht berücksichtigt wird in dieser Studie das Phänomen geistlicher Krisen („Dunkle Nacht der Seele“), welches zwar Überscheidungen mit Depressionen haben kann, aber dennoch ein genuin spirituelles Phänomen im Sinn einer Wachstumskrise in der Gottesbeziehung darstellt. Um die Bandbreite depressiver Phänomene besser zu differenzieren, wird in dieser Arbeit begrifflich zwischen Depression (klinisch diagnostizierte Erkrankung nach ICD/DSM-Kriterien) und Depressivität (vorhandene depressive Symptomatik, zum Beispiel mit Fragebögen gemessene Depression oder Burnout) unterschieden. Im II. Teil dieser Untersuchung wird der internationale empirische Forschungsstand zur Depressivität bei christlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern ausgewertet. Rund 50 Studien von 1990 bis 2021, die sich empirisch mittels psychologischer Testverfahren mit der Depressivität bei Seelsorgenden beschäftigt haben, wurden vom Autor analysiert. Die Analyse des Forschungsstandes erfolgte gegliedert nach Kontinenten (Nordamerika, Australien, Südamerika, Asien, Afrika, Europa). Die Erkenntnisse aus diesen Studien werden gesammelt, in neun Thesen zusammengefasst und kritisch diskutiert. Die überwiegende Mehrheit der Studien hat katholische oder methodistische Seelsorgende untersucht, während andere Konfessionen nur etwa halb so oft vertreten sind. Werden alle Studien zusammengenommen, so umfassen sie Daten von mehr als 17.500 Seelsorgenden (ohne die Deutsche Seelsorgestudie). Die Seelsorger (♂) sind dabei eindeutig in der Mehrheit. In nicht-katholischen Studien überwiegen die verheirateten Seelsorgenden (65-89.5%). Die Punktprävalenzen für die Depressivität schwanken (ohne die Ausreißer-Studien) gerundet zwischen 9 bis 20%. Da ein unmittelbares Vergleichen der Studien untereinander schwierig ist, weil unterschiedliche Messmethoden verwendet wurden und die Ergebnisse nicht einheitlich dargestellt werden, wird der Gesamtdurchschnitt der Prävalenzen für die beiden häufigsten Testverfahren, den PHQ und den CES-D berechnet. Als durchschnittliche Punktprävalenz ergibt sich für den PHQ 11.5% und für den CES-D 37.9%. Damit liegen die Seelsorgenden höher als in der Allgemeinbevölkerung beziehungsweise als in bekannten Vergleichsgruppen. Insgesamt lassen sich keine konfessionellen Unterschiede in der Depressivität erkennen. Die Mehrheit der Studien berichten, dass die Werte für Depressivität bei Seelsorgenden höher sind als in der betreffenden Allgemeinbevölkerung beziehungsweise als in herangezogenen Vergleichsgruppen. Nur zwei Studien berichten in etwa gleichhohe Werte. Ebenfalls nur zwei Studien haben niedrigere Depressivitätswerte bei Seelsorgenden als in Vergleichsgruppen gemessen. Daten zur 12-Monats-Prävalenz und zur Lebenszeitprävalenz von Depressivität bei Seelsorgenden liegen nicht ausreichend vor. Aus der empirischen Forschung ergeben sich neun wesentliche Erkenntnisse zur Depressivität bei Seelsorgenden: 1. Seelsorgende sind von erhöhter Depressivität betroffen. Das gilt international und konfessionsübergreifend. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis auf ein hohes Maß an psychischen Belastungen unter Seelsorgenden. Die bekannten epidemiologischen Zusammenhänge zur Depressivität finden sich auch bei Seelsorgenden: Seelsorgerinnen (♀) sind stärker betroffen als Seelsorger (♂); Jüngere stärker als Ältere. Bemerkenswert ist, dass gerade auch die Seelsorger eine auffällig höhere Depressivität berichten als Vergleichsgruppen. 2. Seelsorgende sind nicht mehr von Burnout betroffen als andere Berufsgruppen. Seelsorgende haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung und im Vergleich zu passenden Berufsgruppen gleichhohe oder tendenziell sogar niedrigere Burnoutwerte. Es zeigt sich, dass kein oder nur ein geringer Zusammenhang zwischen Arbeitslast und Burnout bei Seelsorgenden besteht. Zwar berichten Seelsorgende weltweit hohe Arbeitsbelastungen, allerdings führen diese offensichtlich nicht zwangsläufig zu erhöhten Burnoutraten. Es liegt der Verdacht nahe, dass Seelsorgende unter dem Begriff Burnout ihre erhöhte Depressivität kommunizieren. 3. Seelsorgende mit mehr sozialen Ressourcen sind weniger von Depressivität betroffen. Soziale Unterstützung ist verbunden mit weniger Depressivität (Freundschaften und Familie, ein positives Verhältnis zur Gemeinde und zu Vorgesetzten). Soziale Isolation und empfundene Einsamkeit sind dagegen mit mehr Depressivität verbunden. 4. Seelsorgende, die ihre Spiritualität leben, sind weniger von Depressivität betroffen. Seelsorgende mit einer positiv erlebten, regelmäßigen religiösen Praxis und mit einem hohen spirituellen Wohlbefinden berichten von weniger Depressivität. Umgekehrt sind geistliche Krisen mit mehr Depressivität assoziiert. 5. Seelsorgende, die Sinn und Zufriedenheit in ihrer Berufung erleben, sind weniger von Depressivität betroffen. Die Lebens- und Berufungszufriedenheit, „the sense of a clear vocational direction“ (Knox et al., 2005, S. 151) und das Sinnerleben in der Arbeit zeigen bei Seelsorgenden einen negativen Zusammenhang mit der Depressivität. 6. Seelsorgende mit vulnerablen Persönlichkeiten sind stärker von Depressivität betroffen. Instabile und extrinsisch orientierte Seelsorgende mit hohen Neurotizismuswerten und hoher Selbstaufmerksamkeit berichten von mehr Depressivität. 7. Seelsorgende, die Gratifikationskrisen erleben, sind stärker von Depressivität betroffen. Bei Seelsorgenden zeigt sich, dass effort-reward imbalancement und overcommittment mit mehr Depressivität assoziiert sind. Mangelnder beruflicher Erfolg, finanzielle Sorgen und hohe Ansprüche aus der Gemeinde, von Seiten der Vorgesetzten oder auch an sich selbst, hängen mit erhöhter Depressivität zusammen. 8. Seelsorgende, deren Lebenswelt von Unsicherheit und Niedergang geprägt ist, sind stärker von Depressivität betroffen. Ein depressivitätsfördernder Einfluss von Krisenerfahrungen (zum Beispiel Transformationen durch Säkularisierung, Skandale in der Kirche, Autoritäts- und Bedeutungsverlust von Glauben) lässt sich erkennen. 9. Seelsorgende berichten dennoch international und konfessionsübergreifend von einer hohen Lebenszufriedenheit. Seelsorgende sind also trotz der erhöhten Depressivität nicht einfach nur depressive, sondern zugleich lebensfrohe, glückliche Menschen. Als Fazit aus den neun Thesen lässt sich festhalten, dass Seelsorgende die gleichen Vulnerabilitäten und Ressourcen in Bezug auf Depressivität haben wie alle Menschen. Dennoch finden sich auch Fakt... |
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