Laupheimer Ziegel. Ein innovatives Gedenkprojekt mit Schülerinnen und SchülernEin innovatives Gedenkprojekt mit Schülerinnen und Schülern

Sommer 2018: Der Sommer, der nicht enden will – wie wird er in die Geschichte eingehen? Sommer 2018: ein Sommer der Extreme – kaum Niederschlag, Hitzerekorde, letzter Vorbote des Klimawandels? Klimawandel im meteorologischen Sinn und im übertragenen Sinn. Sommer 2018: Auf den Straßen von Chemnitz un...

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Bibliographic Details
Main Author: Lemmermeier, Stefan (Author)
Format: Electronic Article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
Interlibrary Loan:Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany)
Published: 2018
In: Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
Year: 2018, Issue: 3, Pages: 298-301
Online Access: Volltext (kostenfrei)
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Description
Summary:Sommer 2018: Der Sommer, der nicht enden will – wie wird er in die Geschichte eingehen? Sommer 2018: ein Sommer der Extreme – kaum Niederschlag, Hitzerekorde, letzter Vorbote des Klimawandels? Klimawandel im meteorologischen Sinn und im übertragenen Sinn. Sommer 2018: Auf den Straßen von Chemnitz und anderswo werden Menschen gejagt. Gleichzeitig kommt es zu zahlreichen antisemitischen Vorfällen an Schulen und in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Sommer 2018: Es naht das 80-jährige Gedenken an die Reichspogromnacht im November. Der pädagogische Leiter des Museums zur Geschichtevon Juden und Christen in Laupheim, Dr. Michael Koch, überlegt, wie man dieses Jubiläum begehen kann. Es entsteht der Gedanke, dass jede Schule ein Modell der großen Laupheimer Synagoge erstellt. Der Kunstlehrer des Carl-Laemmle-Gymnasiums, Tobias Wedler, ein wahrer Künstler, hat noch kein rundum gutes Gefühl dabei. So gut die Ideen der verschiedenen Schul-Synagogen auch sein mögen, ihm fehlt noch ein Baustein, damit es für ihn ein rundes, gelungenes Projekt sein kann. Sommer 2018: Der Sommer ist so trocken, dass sich die verborgenen, unsichtbaren Fundamente der Synagoge im trockenen Rasen abzeichnen – von unten meldet sich die Synagoge wieder. Dieses Phänomen bringt Tobias Wedler auf den Gedanken, das 80 Jahre lang unsichtbare Fundament des Synagogenturmes wieder sichtbar werden zu lassen. Er macht sich daran, ein Modell für Lehmziegel zu konstruieren mit dem Maß des Württembergischen Ziegels, aus dem die Synagoge 1871 erbaut wurde. Gesagt, getan. Von da an ergibt eines das andere: Wie komme ich an den Lehm? Eine Anfrage beim regionalen Ziegelsteinhersteller, der in seinen Ziegelsteinen auch Lehmanteile verarbeitet, stößt auf offene Ohren: Der Lehm ist versetzt mit Zeitungspapierresten und Textilfasern, die zum einen zur Armierung dienen, zum anderen beim Brennvorgang bei der industriellen Herstellung der Ziegel Luftbläschen bewirken, die die Dämmeigenschaften verbessern. Dieser Lehm wird aus der industriellen Fördermaschine heraus geholt. Ein örtliches Bauunternehmen bietet an, kostenlos den Transport des Lehms an die Schule zu organisieren (welch schöner Zufall: Dieses Unternehmen hat auch die neue Ulmer Synagoge wieder aufgebaut.). Die Idee entsteht, dass jede Schülerin und jeder Schüler seinen eigenen Laupheimer Ziegel entweder während des Kunstunterrichts, in einer Pause oder im Laufe eines Schultages herstellt: Der Lehm wird in die Hand genommen, zerbröselt, geknetet und mit einem Stößel verdichtet.
ISSN:2751-2959
Contains:Enthalten in: Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
Persistent identifiers:DOI: 10.25786/cjbk.v0i03.543