»Nun gehe hin und lerne!« Lernschritte auf dem Weg zu einer christlichen Theologie in Israels Gegenwart
Vortrag anlässlich der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK), Frankfurt am Main, 2017. »Was dir nicht lieb ist, füge auch keinem anderen zu. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung – nun gehe hin und lerne!« So...
| Main Author: | |
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| Format: | Electronic Article |
| Language: | German |
| Check availability: | HBZ Gateway |
| Interlibrary Loan: | Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany) |
| Published: |
2018
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| In: |
Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
Year: 2018, Issue: 1/2, Pages: 146-154 |
| Online Access: |
Volltext (kostenfrei) Volltext (kostenfrei) |
| Summary: | Vortrag anlässlich der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK), Frankfurt am Main, 2017. »Was dir nicht lieb ist, füge auch keinem anderen zu. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung – nun gehe hin und lerne!« So einfach und schlicht hätte es sein können auch im Verhältnis von Christen und Juden – einfach und schlicht wie in der Goldenen Regel aus dem Munde des weisen Hillel an die Adresse des Suchenden und nach Weisung Fragenden. Ebenso elementar wie fundamental, ins Tun einweisend, einen Weg eröffnend. So einfach – und in der Geschichte über Jahrhunderte, zumal in der christlich-jüdischen, so schwer. »Nun geh hin und lerne« – geh lernend einen Weg: für die christliche Kirche und ihre Theologie ein langer Weg heraus aus Argwohn und Missgunst gegen die Juden hin zu einer Weggemeinschaft – hier und heute! – mit dem bleibend erwählten Volk Gottes. Und das könnte ja schon der entscheidende Lernschritt sein, das Gottesvolk als Größe der Gegenwart wahrzunehmen und nicht immer nur in der Vergangenheitsform vom Judentum zu sprechen. Die Basisgeschichte aus dem Talmud ist schnell erzählt: »Einst trat ein Goj/ein Mensch aus der Völkerwelt vor Schammai und sprach zu ihm: Mache mich zum ›Proselyten‹ – bzw. etwas zurückhaltender übersetzt: Bring mich heran an deine Religion unter der Bedingung, dass du mich die ganze Tora lehrst, während ich auf einem Bein stehe. Da stieß er ihn fort mit der Elle, die er in der Hand hatte. Darauf kam er zu Hillel und dieser machte ihn zum ›Proselyten‹/eröffnete ihm einen Zugang und sprach zu ihm: Was dir verhasst ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung. Geh und lerne!« (Babylonischer Talmud, Schabbat 31a). Der Talmud illustriert mit dieser Episode zunächst einmal die Sanftmut und Geduld Hillels im Gegensatz zum Jähzorn Schammais. Hillel, ein Mann sozusagen mit Migrationshintergrund – wohl gegen Ende des 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aus Babylonien nach Eretz Israel eingewandert – ihm gebührt denn auch nach Aussagen des Talmud (ebd.) höchstes Lob aus dem Munde des herzugekommenen Fremden: »O sanftmütiger Hillel, mögen Segnungen auf deinem Haupte ruhen, denn du hast mich unter die Fittiche der Gottesgegenwart gebracht.« Besagte Goldene Regel findet sich in der jüdischen Tradition seit dem 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, und zwar zunächst im hellenistisch-jüdischen Bereich. Das Buch Tobit formuliert als Weisung des Vaters an seinen Sohn vor dessen Aufbruch in die Fremde: »Und was du hassest, das tue keinem an!« Bei Philo begegnet die Sentenz: »Was jemand selbst zu erleiden verabscheut, soll er selbst nicht tun.« Die aramäische Bibelübersetzung versteht die Goldene Regel als Äquivalent des Gebotes der Nächstenliebe, insbesondere des »wie dich selbst« bzw. »wie du selbst«. Lev 19,18 heißt dann im Targum rückübersetzt: »Du sollst deinen Nächsten lieben; denn was dir unliebsam ist, sollst du auch deinem Nächsten nicht tun« (Targum Pseudo-Jonathan). |
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| ISSN: | 2751-2959 |
| Contains: | Enthalten in: Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
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| Persistent identifiers: | DOI: 10.25786/cjbk.v0i01-02.576 |