Elazar Benyoëtz – ein Leben für die deutsche Dichtung
Der Name klingt noch immer Vielen fremd im Ohr, und doch ist das umfangreiche, deutschsprachige Werk des israelisch-jüdischen Dichters längst kein Geheimnis mehr in der Literaturszene. Eine Hommage an den deutschsprachigen Aphoristiker Elazar Benyoëtz, der im März dieses Jahres 80 Jahre alt geworden...
| Main Author: | |
|---|---|
| Format: | Electronic Article |
| Language: | German |
| Check availability: | HBZ Gateway |
| Interlibrary Loan: | Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany) |
| Published: |
2017
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| In: |
Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
Year: 2017, Issue: 3, Pages: 238-240 |
| Online Access: |
Volltext (kostenfrei) Volltext (kostenfrei) |
| Summary: | Der Name klingt noch immer Vielen fremd im Ohr, und doch ist das umfangreiche, deutschsprachige Werk des israelisch-jüdischen Dichters längst kein Geheimnis mehr in der Literaturszene. Eine Hommage an den deutschsprachigen Aphoristiker Elazar Benyoëtz, der im März dieses Jahres 80 Jahre alt geworden ist. Geboren wurde Elazar Benyoëtz als Sohn österreichischer Juden am 24. März 1937 inWiener Neustadt. Aber schon nach zwei Jahren flohen seine Eltern mit ihm und seiner Schwester nach Palästina. Hier wuchs Benyoëtz, der ursprünglich Paul Koppel hieß, heran, schrieb seine ersten Gedichte auf Hebräisch, das er als seine Muttersprache ansieht, ohne aber je das Deutsche aus dem Blick zu verlieren. Bereits im Jugendalter studierte er nicht nur die Tora und den Talmud, sondern auch stapelweise die deutsche Literaturgeschichte. Noch bevor es diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern gab, brach Benyoëtz Anfang der 1960er Jahre aus Israel auf, um in Deutschland im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes alle jüdischen Autoren zu verzeichnen, die jemals etwas auf Deutsch geschrieben haben. Dieses so begonnene Archiv einer Bibliographia Judaica war ein ambitioniertes Projekt, für das Benyoëtz bald schon weitere Wissenschaftler_innen gewinnen konnte, die dann das begonnene Forschungsvorhaben eigenständig weiterführten. Benyoëtz hingegen wandte sich bald wieder seiner eigenen Dichtung zu. Die Sprache aber, in der er fortan schreiben wollte und sollte, hatte sich gewandelt, er wurde nun ein Dichter deutscher Zunge. Die emotionalen und existenziellen Probleme, die dieser Sprachwandel mit sich führte, reflektiert Benyoëtz in seinen Werken nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. Seine extrem verknappten Sätze wollen nicht episch breit erzählen. Sie zielen vielmehr auf eine Sinnspitze, die denkbar pointiert und präzise ist und im Augenblick des Verstehens den Satz in eine andere Bedeutung umschlagen lässt. Bei diesem Verfahren, das Benyoëtz in der deutschen Literatur auf einmalige Weise realisiert und beherrscht, geht es weder um reine Dialektik noch um sterile Brillanz, sondern um geistige Evidenz und sprachliche Eleganz. Benyoëtz verdichtet Sprache zu einzelnen Sätzen, die er schlicht »EinSätze« nennt und die ihren je eigenen Freiraum benötigen, um wirken zu können. Der unverstellte Blick auf die deutsche Sprache legt die wörtlichen Bedeutungen frei, die im Alltag allzu oft verloren gehen. Sprache wird somit ins Wort und wortwörtlich auch zur Sprache gebracht. In den vierzig Jahren unermüdlichen literarischen Schaffens hat sich das Werk von Benyoëtz jedoch deutlich verändert; grob gesprochen lassen sich seine Werke in drei Phasen gliedern. Standen zu Beginn Bücher, die aus Aphorismen bestehen 1), so schuf der Autor mit einem seiner originellsten und politisch wichtigsten Bücher »Treffpunkt Scheideweg« (1990) ein neues literarisches Genus, das die vorigen »EinSätze« mit längeren Prosatexten, Tagebucheinträgen, Briefen und vor allem Zitaten zum Teil sehr unbekannter Autoren kombiniert (2). |
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| ISSN: | 2751-2959 |
| Contains: | Enthalten in: Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
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| Persistent identifiers: | DOI: 10.25786/cjbk.v0i03.613 |