RT Article T1 Christentum ohne Christusglaube: die Rede von "unbewusstem Christentum" und "latenter Kirche" im 19. und 20. Jahrhundert JF Theologische Zeitschrift VO 66 IS 2 SP 119 OP 147 A1 Bernhardt, Reinhold 1957- LA German YR 2010 UL https://ixtheo.de/Record/642632626 AB Der Beitrag verfolgt die theologische Hypothese, dass es auch bei Menschen, die sich selbst als nichtkirchlich, nichtchristlich oder sogar als nichtreligiös verstehen, einen vorreflexiven, unartikulierten Bezug zum Zentralinhalt des christlichen Glaubens geben kann. Richard Rothe hatte erstmals von einem "unbewussten Christentum" gesprochen. Dieses Motiv wurde in der Theologiegeschichte des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts von Martin Kähler und Martin Rade aufgenommen, es begegnet im sog. "christlichen Sozialismus" und in der davon beeinflussten Dialektischen Theologie. In Bonhoeffers Gefängnisbriefen scheint es ebenso auf wie in Tillichs Rede von der "latenten Kirche". Diese Spur zieht sich weiter bis in die "Politische Theologie" Dorothee Sölles. Auch in der katholischen Theologie finden sich Überlegungen dieser Art, vor allem in Rahners Konzept des "anonymen Christseins". Der Beitrag zeichnet diesen Denkweg nach und unterzieht ihn einer systematisch-theologischen Reflexion.