Elie Wiesels Beitrag zur Erziehung nach Auschwitz: pädagogische und theologische Aspekte
Elie Wiesel gehörte zu den wichtigsten Persönlichkeiten, die einen Beitrag zur Erinnerung an den Holocaust geleistet haben. Er war ein authentischer Repräsentant derer, die die unbeschreiblichen Schrecken überlebten. Wiesel übernahm die Rolle des Zeugen und betrachtete dies als Aufgabe seines Lebens...
| Main Author: | |
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| Format: | Electronic Article |
| Language: | German |
| Check availability: | HBZ Gateway |
| Interlibrary Loan: | Interlibrary Loan for the Fachinformationsdienste (Specialized Information Services in Germany) |
| Published: |
2017
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| In: |
Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
Year: 2017, Issue: 1/2, Pages: 51-63 |
| Online Access: |
Volltext (kostenfrei) Volltext (kostenfrei) |
| Summary: | Elie Wiesel gehörte zu den wichtigsten Persönlichkeiten, die einen Beitrag zur Erinnerung an den Holocaust geleistet haben. Er war ein authentischer Repräsentant derer, die die unbeschreiblichen Schrecken überlebten. Wiesel übernahm die Rolle des Zeugen und betrachtete dies als Aufgabe seines Lebens. In seinen Vorträgen wies er darauf hin, dass das Vergessen der Toten gleichbedeutend ist mit ihrer erneuten Ermordung. Viele Überlebende waren auf Grund ihres Traumas und der schrecklichen Erfahrungen, die sie verkraften mussten, Jahrzehnte lang dazu nicht im Stande, darüber zu reden, weil sie vergessen und für sich ein neues Leben aufbauen wollten. Elie Wiesel tauchte in einen »Ozean« der Erinnerung ein und schritt in seinen Büchern die Erfahrungen ab, die er und seine Generation erlebt hatten, und wurde so zu einem der bekanntesten Zeitzeugen. Augenzeugen gelten in allen Untersuchungen zum Holocaust als die wichtigsten Träger für die Erziehung zur Erinnerung an den Holocaust, da sie besonders authentische Informanten sind und auch in didaktischer Hinsicht für die Holocaust-Education eine entscheidende Rolle spielen. Junge Menschen haben bestätigt, dass ihre Begegnungen mit Überlebenden zu den wichtigsten Erfahrungen im Prozess von Erziehung überhaupt und von Erziehung im Blick auf den Holocaust im Besonderen gehörten. In seinen Veröffentlichungen und vor allem in seinem Buch Nacht 5 bietet Wiesel ein besonderes Zeugnis, damit vor allem junge Menschen zumindest ein Stück weit nachempfinden konnten, was damals geschah. Wiesel verfügte über eine ungewöhnliche Begabung dafür, Elemente des Bösen zu beschreiben. In einer einfach, unprätentiösen Sprache brachte er es fertig, komplexe Situationen zu beschreiben und zu vereinfachen, um sie für seine Leser auf nachvollziehbare Weise zugänglich zu machen. In vielen seiner Texte setzt sich Wiesel mit der Unmöglichkeit auseinander, das Böse darzustellen, ebenso mit der Pflicht, es begrifflich zu fassen und Lesern zu erschließen. Ein Mann der Kontraste: Elie Wiesel war ein Mann der Kontraste; er war gleichzeitig Kämpfer und Friedenssucher. Er kämpfte gegen menschliche Übeltaten, erwarb aber gleichzeitig Ansehen für seine Bemühungen um den Frieden zwischen Menschen und Völkern. Er schrieb über das Wesen des Menschen, über Liebe, menschliche Beziehungen und hauptsächlich über die Pflicht der Menschheit, nach einer besseren Welt zu streben, auch angesichts der Schrecken des Holocaust. Es bestand in seiner Person eine bemerkenswerte Trennung zwischen der Gestalt eines Überlebenden des Holocaust, von dem man erwartete, er würde unglücklich erscheinen, und seinem angenehmen, jedem Menschen zugewandten Lebensstil, was viele Leute nicht zusammen brachten. Sein Leben wurde zur Legende, weil er es aus Abgründen heraus aufbaute – wie in einer Legende. |
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| ISSN: | 2751-2959 |
| Contains: | Enthalten in: Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext
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| Persistent identifiers: | DOI: 10.25786/cjbk.v0i01-02.637 |