RT Article T1 Advance Care Planning (ACP) - Wider die ethischen Reduktionismen am Lebensende JF Zeitschrift für medizinische Ethik VO 64 IS 3 SP 213 OP 232 A1 Schuchter, Patrick 1979- A1 Brandenburg, Hermann 1959- A1 Heller, Andreas 1956- A2 Brandenburg, Hermann 1959- A2 Heller, Andreas 1956- LA German YR 2018 UL https://ixtheo.de/Record/1663053251 AB Advance Care Planning (ACP) zielt darauf, erstens Menschen durch einen organisierten Kommunikationsprozess dabei zu unterstützen, künftige Behandlungsentscheidungen zu antizipieren und zu planen für den Fall, dass sie einmal nicht mehr in der Lage sein sollten, selbst entscheiden zu können. Zweitens geht es darum, die Zusammenarbeit und Kultur im professionellen Versorgungssystem so zu verändern, dass Entscheidungen/Patientenverfügungen tatsächlich auch respektiert werden (respecting choices). ACP-Initiativen haben im deutschen Sprachraum Konjunktur. Es scheint, diese werden wie selbstverständlich als »gut« qualifiziert und alternativlos dargestellt. In unserem Beitrag setzen wir uns kritisch mit einigen Dimensionen und Entwicklungen von ACP auseinander. Vier »ethische Reduktionismen«, die in Konzept und Praxis von ACP (implizit) transportiert werden, können beobachtet werden: 1) folgenschwere Verkürzung des »Care«-Begriffs auf »Behandlung« und von »Vorsorge« auf »Planung«; 2) Verengung des möglichen Gesamtbereichs ethischer Fragen und ethischer Inhalte auf moralische Dilemmata bei Behandlungsentscheidungen (am Lebensende); 3) überzogene Vorstellung der Bedeutung von Autonomie; 4) Ausblenden strukturell und institutionell bedingter Machteffekte. Abschließend verweisen wir auf den Ansatz der »Sorge-Gespräche« (Care-Dialogs) und den »Caring-Community«-Ansatz, die als grundsätzlich alternative Denkrahmen, aber – um realistisch zu bleiben – zumindest auch als komplementär ergänzende Ideen gesehen und in produktiver Verknüpfung mit ACP mitentwickelt werden könnten