Mutuum date nihil desperantes (Lk 6,35): Reziprozität bei Lukas

The cultural environment of the New Testament is shaped by two rivaling principles of social exchange: The sphere of traditional reciprocity, which is based on cyclic long-term relationships, is partly invaded by forms of market economy. Luke-Acts depicts the consequences of that clash of mentalitie...

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Bibliographic Details
Published in:Novum testamentum et orbis antiquus
Main Author: Adrian, Matthias ca. 20./21. Jh.
Format: Electronic Book
Language:German
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Published: Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht [2019]
In:Novum testamentum et orbis antiquus
Reviews:[Rezension von: Adrian, Matthias, ca. 20./21. Jh., Mutuum date nihil desperantes (Lk 6,35)] (2020) (Oertelt, Friederike, 1979 - )
[Rezension von: Adrian, Matthias, ca. 20./21. Jh., Mutuum date nihil desperantes (Lk 6,35)] (2020) (Neumann, Nils, 1975 - )
Series/Journal:Novum testamentum et orbis antiquus Studien zur Umwelt des Neuen Testaments Band 119
Further subjects:B Neues Testament
B Exegesis
B Lukasevangelium
B Thesis
B Apostelgeschichte
Online Access: Volltext (Resolving-System)
Parallel Edition:Non-electronic
Description
Summary:The cultural environment of the New Testament is shaped by two rivaling principles of social exchange: The sphere of traditional reciprocity, which is based on cyclic long-term relationships, is partly invaded by forms of market economy. Luke-Acts depicts the consequences of that clash of mentalities unadornedly, without retreating to contemporary ideologies. Everyday conflicts in the spheres of euergetism or patron-client relationships about lending money, spending or stockpiling grain, provide the framework for Luke‘s own vision of a commnion of goods as counter-society.
***Angaben zur beteiligten Person Adrian: Dr. theol. Matthias Adrian ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Katholische Theologie der Freien Universität Berlin.
Die Welt, in der das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte entstehen, ist geprägt vom „Prinzip der Gegenseitigkeit“ (Hendrick Bolkestein). Sozialer Austausch wird vornehmlich als dauerhaftes, zyklisch ablaufendes Beziehungsgeschehen mit Verpflichtungscharakter aufgefasst. Doch ist daneben in vielen gesellschaftlichen Bereichen eine marktwirtschaftliche Austauschmentalität auf dem Vormarsch. Zudem erfahren überkommene Formen wie Patronage oder Euergetismus im Übergang zur Kaiserzeit einen Bedeutungswandel, ein Teil der Eliten versucht aus dem System von Wohltaten gegen Ehrungen auszusteigen. Der Rollenwechsel vom Wohltäter zum Privatkaufmann führt jedoch oftmals zu Spannungen in den Städten des Imperiums, wie sich plastisch am Getreide zeigt, das die Stadtbevölkerungen einfordern, die unwilligen Wohltäter jedoch lieber horten und verkaufen wollen. Nicht zufällig wird ein solches Verteilungsproblem in der Parabel vom reichen Kornbauern (Lk 12) aufgegriffen. Die Lukastexte zeigen sich sensibel für die verschiedenen Mentalitäten sozialen Austausches. Anders als Autoren der zeitgenössischen Elite wie Seneca oder Plutarch ziehen sie sich dabei nicht auf hohe Wohltätigkeitsideale zurück, die sozialer Abgrenzung eher als tatsächlicher Umsetzung dienen. Ob mit Blick auf Darlehen (Lk 6), Schikanen geehrter Patrone (Lk 13) oder die römische Jurisdiktion als Austausch von Gefälligkeiten (Apg 24–26) – die Lukastexte schauen hinter die propagierten Ideale aus der Perspektive derer, die die Folgen zu tragen haben. Die so freigelegten ungeschminkten sozialen Realitäten sind der Ausgangspunkt der eigenen, radikalen Option einer Gütergemeinschaft, als die Lukas seine Gemeinde sieht.
ISBN:3666570666
Persistent identifiers:DOI: 10.13109/9783666570667